Anreise nach Seattle, 22.10.2007

Kaum nach dem Weckerklingeln um 06:45 mache ich mich nach gerade vier Stunden Schlaf aufbruchbereit.

Los geht’s per Zug und Straßenbahn zum Flughafen Bremen. Dort gönne ich mir ein kleines Frühstück (Foto), stelle dabei fest, dass auch am Flughafen Poker gespielt wird (Foto) und betrete dann die leere Wartehalle (Foto). Pünktlich geht’s nach Schiphol.

Beim Blick auf die Bordkarte stelle ich fest, dass die bereits in Bremen aufgedruckte Zeit nicht mit meiner vorher notierten übereinstimmt. Der Transitpoint mit hilfsbereiten Menschen ist völlig überlaufen, ein Blick auf die Abflugtafel zeigt aber das Dilemma: mein Anschlußflieger hat zusätzlich zu den etwa 1,5 Stunden geplanten Aufenthalt nunmehr über drei Stunden zusätzliche Verspätung. Na prima! Die Java-Fehlermeldung auf dem Display macht die Nachricht auch nicht besser. (Foto)

Im Flughafen Schiphol gibt’s neben einem Museum auch ein Casino (Fotos)! Naja. Immerhin finde ich nach ziemlicher Sucherei einen Sitzplatz MIT STROMANSCHLUß, so dass ich ein wenig mit dem Laptop arbeiten kann, wenn auch unkonzentriert, wegen der vielen Ablenkungen und der bangen Frage im Hinterkopf, wann es weitergeht. Irgendwann ist es dann soweit, die Schlange ist aber laaaang.

Kein Wunder, denn die besonders sicheren Sicherheitsbefragungen halten die Abfertigung auf: Haben Sie Gepäckstücke aufgegeben? (Steht doch in der Liste) Ja, eins. Wer hat Ihren Koffer gepackt? (Wer wohl…) Ich! Wann haben Sie Ihren Koffer gepackt? (Letztes Jahr!) Gestern! Wie haben Sie Ihren Koffer transportiert? (Häh?) Also erst in der Eisenbahn, dann der Straßenbahn und dann mit dem Flugzeug… Also hatte niemand außer Ihnen Zugang zu Ihrem Gepäck? (ach so!) Nöh! Na, dann ist ja alles gut, irgendeinen Backi auf den Paß geklebt und alles ist supi! Ooookkaaaayyyy! Sicher! Ach so, noch mal Sicherheitskontrolle, wieder Laptop raus, Gürtel ab, Taschen ausleeren, …

Auf dem Weg zum Flieger auf einem Display wieder eine Systemfehlermeldung, diesmal eine Windows-eigene (ohne Foto). Endlich im Flieger, Schwuppdiwupp losgeflogen, seeeehr ruhiger Flug, der Flieger (Airbus A300? A320?, Foto) auch erstaunlich leise. Das bordeigene Entertainmentsystem macht Zicken, das Hilfemenü überlagert ständig den Film. Kein Problem, Sitzreboot. Aha, Linux, mh-hm, Treiber nicht gefunden, kann ext2fs nicht mounten, soso. Na gut, nun ist also auch Linux Mainstreamblödprogrammierungfehleranfällig geworden. Noch mehr Passagiere haben Schwierigkeiten, was die Besatzung nach einer guten Stunde und diversen Sitzreboots dazu bringt, das GANZE Entertainment System neu zu starten. Ab dann gings und war ganz angenehm, diverse Filme, Musik und Spiele zur individuellen Auswahl. Das Catering war okay (ich bin versucht zu sagen, lecker, aber nicht wirklich). Geschlafen habe ich überhaupt nicht.

Nach gut zehn Stunden Flug dann die US Immigration. Also erstmal natürlich das I94W Formular ausfüllen (in grün, NICHT das weiße, das ist I94!). Transportieren Sie Drogen? Beabsichtigen Sie kriminelle Aktivitäten? Falls ja, setzen Sie sich vorher mit Ihrer Botschaft in Verbindung, sonst könnte Ihnen die Einreise verweigert werden! Aha, anders herum ausgedrückt, wenn ich so was beabsichtigen würde und vorher die Deutsche Botschaft detailliert darüber informierte, dürfte ich einreisen? Das überlege ich mir vielleicht fürs nächste mal, aber hier bestätige ich vorsichtshalber, dass ich so was derzeit nicht vorhabe, unterschreibe, dass ich keine Rechte habe, dass das Immigration Office, Homeland Security und alle alles mit mir machen dürfen und ich gar nie nicht widerspreche und alles akzeptiere. Für die Freiheit! Sicher!

Ach so, das Custom Formular darf man auch nicht vergessen! Die gleichen Informationen noch mal aufschreiben, zusichern dass man keine Geldwäsche betreibt, und noch mal unterschreiben.

Soweit so gut, nun müsste man diese Zettel auch noch an den Officer bringen (Foto). Superschlange! ÜBER EINE STUNDE WARTEZEIT! Dafür darf ich dann noch zwei Fingerabdrücke und ein Kamerabild hinterlassen, welche quervernetzt mit meinem Einreisevisawaiver, meiner Flugbuchung, meiner Kreditkartennummer, meiner Emailadresse, meinem Geburtsdatum, meinen Eßgewohnheiten, meiner Aufenthaltsadresse und mindestens 22 weiteren, geheim gehaltenen Merkmalen für die nächsten dreißig Jahre (Tendenz zunehmend!) in irgendwelchen selbstreplizierenden Datenbanken liegen und entweder völlig nutzlosen Datenmüll darstellen oder mir irgendwann auf die Füße fallen werden.

Der gewissenhafte Immigration Officer fragt alle möglichen Leute alles mögliche (Arbeiten Sie für Microsoft? Reisen Sie alleine? …) Nur von mir will er gar nichts wissen, sagt nur nach drei Stempeln irgendwas unverständliches und das war’s! Nun gut, dann ist sein Heimatland ja jetzt noch ein bisschen sicherer. Immerhin muß ich nicht aufs Gepäck warten, denn das wartet zur Abwechslung mal auf mich.

Auf dem Weg zum Ausgang will der Customs Mensch den Customs-Zettel haben, damit er ihn schreddern kann. Naja, gerne. Das hat sich ja geloht. Auf dem Zettel steht übrigens, initiiert durch das Paperwork Reduction Project (NICHT LACHEN!), dass mich das Formular vier Minuten kostet. Das Einreiseformular übrigens zwei Minuten verstehen und vier Minuten ausfüllen, macht sechs Minuten. Die Schlange, um die Zettel, die mich zusammen zehn Minuten kosten sollen, bestempeln zu lassen, damit sie hinterher weggeworfen werden, war offensichtlich nicht eingerechnet.

Nur noch eben ins Taxi… (Foto) die nächste Schlange. Oh Mein Gott! Nochmal warten. Nach weit über 90 Minuten nach der Landung verlasse ich endlich diesen Flughafen! Das ist ein neuer Negativ-Rekord. Nach dem langen Tag und der Verspätung macht das die Reise nicht besser.

Der Taxifahrer ist okay und die Aussicht von der Autobahn auf das nächtliche Seattle mit Skyline und Needle ist sehr nett! Das Umfeld meines Hotels sei sicher, meint der Fahrer nach ausdrücklicher Nachfrage. Na gut. Muß ja, nach der Einreisekontrolle!

Das Hotel ist… ein Hotel. (Foto) Ein bisschen abgenudelt, aber was soll’s. Es liegt gut und war „günstig“ und immerhin hat die Buchung einwandfrei geklappt. Die Matratze ist sehr angenehm: groß und fest. Internet gibt’s nur gegen Bezahlung, mit dem Handy kann ich auch keine Datenverbindung aufbauen! Totally disconnected! Der Bilderupload muß also noch warten.

Schnell noch mal losgelaufen und die Umgebung (Foto) auf der Suche nach einem kleinen Shop erkundet. (Foto) Auf dem Rückweg nehme ich ein Mini-Dinner bei McDoof, weil’s einfach sein muß. Dabei fällt wieder auf, wie professionell-entgegenkommend (aka Service-orientiert) hier alle sind: egal, ob jemand im Anzug oder mit abgerissenen Jeans am Tresen steht, man wird gleich höflich, zuvorkommend und respektvoll behandelt. Andererseits ist der Service genau dann wohldefiniert beendet, sobald man seine Ware hat und bezahlte: die Cola muß man sich selber in den Pappbecher füllen.

Nun muß ich zusehen, dass ich nach bislang 24(?) Stunden noch ein paar weitere wach bleibe, damit ich morgen nicht um 04:00 nachts oder so aufwache. Auf dem Zimmer frisch gebrühter Kaffee und das Schreiben dieses Berichts soll mir helfen… Die Müllabfuhr um 21:30 hilft natürlich auch! Und die Fenster sind ganz schön dünn.

Morgen ist pre-Conference Day, an dem ich Mittags einen Workshop besuchen werde!

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Kommentare

  • prodthe  On 27 Oktober 2007 at 10:31

    „auch Linux Mainstreamblödprogrammierungfehleranfällig geworden“ LOL

    (Foto)s wo ?

  • doct  On 29 Oktober 2007 at 05:14

    Die Fotos muß ich erst sortieren, aussortieren, rotieren, zusammenstückeln, reduzieren usw. Und dann in langwierigem Prozeß hochladen.

    Das mache ich erst, wenn ich wieder zu Hause bin. Da habe ich die Tools und die Bandbreite.

    Es wird einen Blog-Eintrag geben, der auf die Fotos verweisen wird 🙂

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