Reno, 26.10.2007

Heute ist so viel passiert, mehr als die Hälfte habe ich schon wieder vergessen.

(Die Bilder sind hier.)

Erstmal bin ich früh hoch, habe mich aufbruchbereit gemacht und versucht, die Reisetasche zu schließen. Das ging natürlich nicht, also musste ich die ersten Dinge zurücklassen.

Dann ging es per Shuttlebus zum letzten Veranstaltungstag. Das war wieder spannend und wieder ganz schön voll.

Die Rede von Bruce Schneier (der Sicherheitsguru!) zu zehn Trends im Bereich IT Sicherheit war umfassend und erheiternd. Sehr gut. (Foto)

Dann bin ich per Taxi zum Flughafen. Der Fahrer war irgendwie merkwürdig, von seinem Schnupfen mal ganz abgesehen. Er war Inder und wollte wissen, ob die Deutschen Hitler hassen und ob ihnen bekannt ist, dass sie eigentlich alle Arier sind. Ääääh. Naja gut.

Der Checkin bei United begann wieder mal mit einer langen Schlange (Foto). Das Self-Checkin machte mir Sorgen, da ich nichts in der Hand hatte zum Einchecken. Aber einmal die Kreditkarte durchziehen und das Ticket kam heraus.

Pünklich war ich da, aber wer nicht? Der Flieger! Wieder mal 1,5 oder so Stunden Verspätung. Also kaufe ich mir gemütlich ein Burgerking Menü (McDonalds schmeckt besser!) und noch ein irre leckeres Eis. Muaaaahahahhahahhaaaaaa! Dingens-Fudge, mit peanut butter gefüllte Schokoladen buttercups darin hint hint

Total nervig ist der hiesige Usus, Preise ohne Steuer auszuweisen. So wird man regelmäßig vom Gesamtpreis überrascht und kann auch das Kleingeld vorher nicht abzählen.

Na gut, irgendwann war der Flieger da, ich drin, dann in San Francisco. Der Flug war ereignislos, das Gepäck kam schnell.

Dann geht’s mit der Monorail zum Rental Car Center, den Mietwagen abholen. Die Trainees haben ein wenig Schwierigkeiten mit meinem Führerschein, und dann meiner Adresse, und dann eigentlich mit allem, aber dafür ist die Stimmung bei den nicht beteiligten Damen und Herren hinter dem Schalter gut. Ähäm. Ich bin leicht verwundert, warum mich die Azubine fragt mit wievielen Personen ich reise („Allein!“). Als ich später den Wagen sehe, verstehe ich ihre Verwunderung. (Foto) Familienkutsche.

Beim Hineinsetzen fällt mir sofort auf, was ich vergessen habe: CDs! Der Wagen hat einen Player, aber ich keine Medien. USB-Anschluß gibt’s keinen 🙂

Egal, ich suche erst mal längere Zeit nach dem Kofferraumöffner und gurke dann los. Erstaunlicherweise finde ich den Weg ohne vernünftiger Karte recht gut und lande in San Francisco Innenstadt, was sich später als durchaus korrekt herausstellt. Ohne Umwege fahre ich weiter auf die Bay Bridge, bin von der Mautgebühr nur semi-überrascht, von der Höhe von vier Dollar schon deutlich mehr.

Der Verkehr ist stauig, wenig Meter vor mir ist ein Unfall passiert, Scherben und Autoreste liegen auf der Straße, es riecht verbrannt. Gut, dass ich Abstand halte!

Also weiter über die I80 Richtung Sacramento und Reno. Am Horizont ziehen hohe Berge auf, dann geht es ganz schön die hoch, irgendwo sehe ich ein 5000 Fuß Schild und das ist nicht das Ende. Aus dem Radio dröhnt Ozzy! Ich bin ziemlich müde.

Zwischendurch mache ich Halt an einer abgelegenen Raststätte, hinter der Theke ein passend verschrobener Typ. Dort gibt’s lecker Cappuccino aus dem Automaten, ungefähr acht verschiedene Sorten. Ich entscheide mich für einen „kleinen“ (16 oz!) Mexican Chocolat oder so ähnlich (Foto). Süß, spicy, lecker. Paßt gut zum gekauften Burrito, der etwas dröge schmeckt. Frisch gestärkt und entmüdet geht’s weiter.

Plötzlich setzt sich ein Polizeiwagen mit Warngedings vor mich, links eine rote Lampe raushängend. Hm, klar habe ich die Geschwindigkeitsbegrenzung großzügig ausgelegt, aber ich wurde oft genug überholt! Aber entweder ist der Polizist volltrunken oder er will die Straße sperren, so wie der in Schlangenlinien fährt. Richtig, viele langsame Meilen später gibt’s ein Unfallspektakel, wieder wie im Fernsehen. (Film)

Kurz danach taucht Reno am Horizont auf, die bunten Casinos sind schon von weitem zu sehen. Aus dem Radio tönt Kiss! Ich gurke erstmal 20 Minuten kreuz und quer durch die Stadt, eigentlich um ein Motel zu finden, aber irgendwie ist das Herumfahren auch sehr nett.

Ich finde eine nicht zu offensichtlich katastrophale Unterkunft für 50$ plus Steuern die Nacht, was weniger als die Hälfte eines Zimmers in einem Casino ist, Abends nach 10 ist kein Besuch zugelassen, die Besitzerin wohnt auch hier. Sehr gut, dann gibt’s wenigstens keine Parties von Betrunkenen. Aber das Umfeld ist ganz schön laut. Mal sehen, wie das wird heute nacht.

Es ist Mitternacht und ich laufe noch mal schnell los, um mir die Stadt anzusehen. Die hat schon mal bessere Zeiten gesehen. Überall stehen geschlossene Gebäude herum, die Leute auf der Straße sind teilweise ganz schön abgeranzt. Die besuchten Casinos sind auch nicht sehr einladend. Im Fitzgerald’s ist sogar ein Spielbereich mit Absperrband und Malereimern notdürftig abgesperrt. Die Automaten sind höllenlaut, die Gäste sind komisch und die Dealer auch nicht besser.

Die Pokerräume haben den Namen nicht verdient, sondern sind abgesetzte Ecken, in denen man sein eigenes Wort nicht versteht. Das abnervendste ist die Runde Spieltische (Blackjack?) im Harrah’s an denen in überengen Fantasiekostümen wenig enthusiastische Dealerinnen herumhängen, die eigentlich altersbedingt noch gar nicht ins Casino dürften. Nein, hier habe ich keine Lust, lange zu bleiben, morgen früh fahre ich weiter.

Im Zimmer lässt sich die Heizung nicht weiter herunterdrehen, es ist ganz schön warm. Plastikfolie unter dem Laken finde ich auch nicht apart.

Eigentlich will ich noch den nächsten Tag planen und wegen des ausgefallenen Pokerspielens noch mit dem Rechner herumdaddeln. Ich bin aber so fertig, dass ich gegen halb drei einschlafe während im Fernsehen passend eine Aufzeichnung der World Series of Poker 2005 läuft.

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